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Tagespflege
Bericht aus dem Blickpunkt
von Ronald Dietel
Tagespflege einmal anders: Senioren buchen verschiedene Angebote ganz nach ihren Bedürfnissen. Und abends geht es zurück in die eigenen vier Wände.
Eine relativ neue Form der Betreuung bietet seit Kurzem das Lutherstift – Haus für Senioren und Pflege in Oberkotzau an: die Tagespflege. Dementiell Erkrankte, die eigentlich noch zu Hause leben, bekommen so die Möglichkeit, zusammen mit den Bewohnern des Seniorenhauses versorgt zu werden. Sie können
die Pflegeleistung stunden- oder tageweise buchen – sieben Tage die Woche. Das Angebot versteht sich als teilstationäre Pflege, Versorgung und Betreuung
pflegebedürftiger Menschen während des Tages. Insgesamt acht solcher Plätze sind im Lutherstift geschaffen worden.
Die Tagespflege wird in der Regel bei vorhandener Pflegestufe von den Pflegekassen finanziert und hat viele Vorteile. „Die Pflege in dieser Form hat einen
Eingewöhnungseffekt fürs Seniorenheim, ohne dass die Betroffenen von zu Hause weg müssen“, betont Karin Hoffmann, die Leiterin des Lutherstifts.
Immer mehr pflegebedürftige dementiell erkrankte Menschen möchten so lange wie möglich in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung leben.
Die Angehörigen soll das neue Angebot entlasten. Zweck der Tagespflege sei nämlich auch ein Loslassen des Partners, ein „Sichvorstellen-können“, seinen
kranken Ehepartner in eine Einrichtung zu geben. „90 Prozent aller Angehörigen haben sich nicht auf die plötzliche Pflegebedürftigkeit eines Familienmitglieds
eingestellt. Das finde ich schlimm“, sagt Karin Hoffman. Der Tagesaufenthalt biete zudem die Möglichkeit, Vertrauen zur Einrichtung und zu den Mitarbeitern
aufzubauen, sozusagen als eine Art Entscheidungshilfe.
Wichtig sei, für die Pflegegäste eine Tagesstruktur zu schaffen. Das gelingt durch medizinische, therapeutische und pflegerische Angebote, durch die Verständigung
mit Dauerbewohnern und dem Personal. Alles Leistungen, die nach Ansicht von Karin Hoffmann von Sozialstationen sowie der ambulanten Pflege nicht angeboten
werden können. „Jeder Besucher wird mit seinen Besonderheiten, Gewohnheiten und seiner ganzen Individualität angenommen.“ Die bisherigen Erfahrungen mit
den Tagesgästen, die das neue Angebot bereits nutzen, sind nach Aussage von Leiterin Karin Hoffmann sehr positiv. „Ich war erstaunt, wie schnell die Gäste in
den Alltag integriert worden sind."